Kardiologie Dresden

Dresdner Kardiologe missachtet Algorithmen: Entzug der Approbation

19. September 2061

Gestern ist das mit Spannung erwartete Urteil im sogenannten Doc-Martin-Prozess verkündet worden. Der Kardiologe Dr. Martin Kamm III hatte in Dresden entgegen den gesetzlichen Vorschriften jahrelang Therapien nach eigenem Ermessen verordnet.

Das Landgericht Dresden verurteilte den Mediziner daher zu dreieinhalb Jahren Hausarrest mit BPS-Monitoring. Er darf außerdem nie wieder als Arzt arbeiten. Der Angeklagte habe in schwerer Weise gegen seine Berufspflichten verstoßen, begründete das Gericht seine Entscheidung.

Der Doc-Martin-Prozess war das erste Gerichtsverfahren in der EUropäischen Union, in dem es um den vorgeschriebenen Einsatz des medizinischen Assistenzsystems med.AI ging. Das System unterstützt Ärzte bei Anamnese, Diagnostik und Behandlung.

Seit Einführung des Systems unterliegt die ärztliche Entscheidungsfreiheit jedoch gesetzlichen Beschränkungen. So darf ein Arzt ausschließlich Therapien verschreiben, die vom Algorithmus des Assistenzsystems als geeignet berechnet wurden. In seiner Praxis „Kardiologie Dresden KV-Level III-V“ ist Dr. Kamm häufig von den Vorgaben des Systems abgewichen. Grund war unter anderem der Todesfall eines Patienten, den er entgegen seiner Überzeugung mit einer med.AI-Therapie behandelt hatte.

„Sie ignorieren die Erfahrung aus über drei Millionen überwachten Therapien.“

Bundesgesundheitsminister Derrick Casper II hat in einer Stellungnahme das Assistenzsystem verteidigt: „Kritiker, die behaupten, dass Algorithmen über Leben und Tod entscheiden, ignorieren jahrelange Forschung und Entwicklung. Sie ignorieren die Erfahrung aus über drei Millionen überwachten Therapien. Sie ignorieren mehrere Studien, die dem System eine Überlegenheit gegenüber Individualentscheidungen attestieren.“ Abschließend appellierte er an Patienten, Ihrem Arzt weiterhin zu vertrauen: „Es gibt keinen Grund, alle Ärzte über einen ‚Kamm‘ zu scheren.“

„Ich habe das Urteil exakt so erwartet.“

Nach der Urteilsverkündung veröffentlichte Dr. Kamm eine Erklärung per netmes: „Ich habe das Urteil exakt so erwartet.“ Dadurch, dass bei der Strafzumessung auch Richter die Ergebnisse von Computeralgorithmen berücksichtigen müssten, seien Urteile berechenbar geworden, erklärte der Herzspezialist. Ärzte und Richter „sitzen letztlich im selben Boot“.

Selbst die Studien, die die Vorteile von med.AI belegen sollen, beruhten auf einem Studiendesign, das von Algorithmen vorgegeben worden sei. „Viele fürchten sich vor der Technologischen Singularität. Doch während dieser Zeitpunkt, ab dem Maschinen die Intelligenz von Menschen übertreffen, noch nicht in Sicht ist, entscheiden Algorithmen längst über menschliche Schicksale“, kritisierte der Dresdner Mediziner.

Empfangen und veröffentlicht: 19. September 2016


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